„Es gibt viele Missverständnisse und Unklarheiten, wie jüdischen Gemeinden organisiert, finanziert und geführt werden sollen. Wenn es überhaupt Regeln gibt. Und jedes Land ist anders. Als liberaler Rabbiner (ordiniert Leo Baeck College, London 1984) habe ich seit 1998 in Gemeinden in Deutschland, Österreich, Polen amtiert und habe Erfahrungen in Kroatien, der Slowakei und den Niederlanden gemacht. Die jüdischen Gemeinden sind meistens sehr klein, das Spektrum von Meinungen und Interessen und Spannungen ist sehr groß, das Interesse von Nicht-Juden an jüdischem Leben ist oft fast überwältigend.
Die beschriebene Situation begründet mein peripatetisches <auf der Lehre des Aristoteles beruhend; das philosophische Denken oder die Schule des Aristoteles betreffend [Gebrauch: Philosophie]> Leben mit vielen komplexen Erlebnissen – und wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Können Ausländer (beispielsweise aus den USA) wirklich verstehen, wie jüdisches Leben hier funktioniert? Können Menschen, die zum Judentum konvertiert sind, wirklich verstehen, wie andere Juden oder Holocaust-Überlebenden denken? Welche Beziehungen gibt es zwischen jüdischen Gemeinden in Europa und Israel als Land, als Staat, als Zufluchtsort? (insbesondere nach dem 7. Oktober 2023?)“ 🎙️ Referent: Rabbiner Walter Rothschild
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Der Vortrag widmet sich Chasdai Crescas (ca. 1340–1410) in einer Phase tiefgreifender krisenhafter Verdichtung jüdischer Existenz im spätmittelalterlichen Spanien. Ausgehend von Biografie und Hauptwerk Or ha-Shem (bzw. Or Adonai) wird Crescas’ philosophische Kritik am maimonidisch-aristotelischen Paradigma ebenso in den Blick genommen wie seine antichristliche Schrift Bittul iqqare ha-Nozrim. Dabei geht es nicht nur um die inhaltliche Widerlegung christlicher Lehrsätze, sondern um eine Reflexion der Bedingungen, unter denen solche Polemik überhaupt entsteht: asymmetrische Machtverhältnisse, missionarischer Druck, die Bedrohung jüdischer Kontinuität. Der Vortrag versteht Crescas’ Texte daher als Ort doppelter Kritik – an theologischen Konzepten wie an politischen Konstellationen – und fragt, inwiefern sie zugleich Ressourcen jüdischer Selbstbehauptung und Dokumente der Grenzen interreligiöser Verständigung sind. 🎙️ Referent: Frederek Musall
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An account of the virtues is a central but neglected part of Hermann Cohen’s philosophical ethics and Jewish philosophy. In this lecture, we will examine the role of modesty (Bescheidenheit) and humility (Demut) in Cohen’s Tugendlehre. Cohen understood his own neo-Kantian ethics in contrast with two broad opposing ethical systems: the „eudaimonia“ of Aristotle and the „pantheism“ of Spinoza. Our examination of Cohen on the virtue of humility sheds light on these contrasts and also on Cohen’s positive reception of the philosophy of Maimonides, whom he understood, surprisingly, as sharing his opposition to Aristotelean ethics. As we will see, central to Cohen’s Tugendlehre is an understanding of power and agency in opposition to determinism and fatalism, on the one hand, and to common alternative understandings of power, on the other hand.
❗ Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten, bei Bedarf gibt es eine Zusammenfassung in deutscher Sprache.
Referentin: Shira Billet
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»Nichts Jüdisches ist mir fremd«, erklärte in einer Radiosendung der Religionshistoriker Gershom Scholem. Daran möchte auch die Reihe Tol‘doth & Tarbut (Geschichte und Kultur) anknüpfen. In ihrem Fokus stehen Personen, Ereignisse, Zeiträume und Orte, in denen sich bestimmte Entwicklungen der jüdischen Geschichte, Religion und Kultur geradezu kristallisieren.
Die Reihe wendet sich nicht an Experten der Judaistik und Religionsgeschichte, sondern möchte einem breiteren Publikum die reiche Geschichte und die unterschiedlichen Strömungen des Judentums jenseits aller Folklore erschließen.
Der Berliner jüdische Diplomat Richard Lichtheim vertrat im Laufe seiner politischen Karriere mehrfach die Interessen der zionistischen Bewegung: im Ersten Weltkrieg in Konstantinopel, im Zweiten Weltkrieg in Genf. Dort verstand er als einer der ersten zeitgenössischen Beobachter, dass es sich bei den nationalsozialistischen Massenmorden an den europäischen Judenheiten um ein Verbrechen ungekannten Ausmaßes handelte: um ihre systematische und totale Vernichtung. Die sich wandelnden politischen Realitäten in Europa und Palästina ließen ihn auch seine Vorstellungen eines zukünftigen jüdischen Gemeinwesens mehrfach überdenken. Andrea Kirchner beleuchtet anhand seiner Biografie verschiedene politische Strömungen innerhalb der zionistischen Bewegung sowie die Herausforderungen jüdischer Diplomatie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Achtung Terminverschiebung: neu Mi 04.03.26 | 19.00 Uhr – Dr. Andrea Kirchner, Frankfurt/M.
ursprünglich 09.02. abgesagt
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Vor tausend Jahren konnten 90 % der Juden weltweit Arabisch sprechen oder lesen. Seit der intellektuellen Blütezeit des Islam im 8. Jahrhundert profitierte auch die jüdische Gelehrsamkeit davon. Es entstanden die ersten jüdischen Werke individueller Autoren seit der Antike zu Grammatik, Philosophie, Theologie, Poesie, Bibel sowie rabbinische Kommentare, Gesetzessammlungen und Modelle mystischen Denkens. All diese Werke fanden in unterschiedlicher Weise islamische Vorbilder.
Rabbiner Dr. Michael Hilton veranschaulicht mit Beispielen aus dem Bereich des jüdischen Rechts den Einfluss des Islams auf das Judentum. In der anschließenden Diskussion gibt es die Gelegenheit, auch zu anderen Bereichen Fragen zu stellen. Wer der hebräischen Sprache gebieten, bei Bedarf gibt es eine Zusammenfassung in deutscher Sprache.
Mo 19.01.2026 | 19.00 Uhr – Rabbi Dr. Michael Hilton
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Als Moses Mendelssohn 1770 auf des Zürcher Predigers Johann Caspar Lavaters Aufforderung reagieren mußte, entweder zentrale Lehren des Christentums philosophisch anzunehmen oder sich taufen zu lassen, antwortete er in einem offenen Brief. Er schrieb an Lavater, dass er die grundlegenden Lehren des Judentums geprüft habe und aus guten Gründen von der Wahrheit des Judentums überzeugt sei. Implizit hieß das: Eine Konversion zum Christentum kam für Mendelssohn nicht in Frage. Aber als Jude, als in Preußen fast rechtloses Mitglied eines jüdischen Volkes, konnte er seine Gründe gegen das Christentum nicht öffentlich darlegen, ohne sich und seine Familie in Gefahr zu bringen. In einem privaten Brief an die Erbprinz von Braunschweig-Wolfenbüttel allerdings, der erst nach seinem Tod bekannt wurde, beschreibt Mendelssohn ausführlich, welche christlichen Lehren ihn als Juden und Philosophen überhaupt nicht überzeugten.
Do 13.11.2025 | 19.00 Uhr – Prof. Dr. Christoph Schulte
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….Jede Menge!, würden spontan wohl die meisten antworten: Stolpersteine sind ein fester Bestandteil deutscher Erinnerungskultur. Aber was genau ist demokratisch an diesem ins Straßenpflaster eingelassene Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus? Warum ist es so erfolgreich wie umstritten? Worin liegen seine Stärken und Schwächen und warum sind Stolpersteine ohne historische Aufklärung über deutsch-jüdische Demokratiegeschichte sinnlos?
Der Vortrag skizziert eine anhaltende Debatte und schlägt eine Brücke zwischen historischer Bedeutsamkeit und gegenwärtigem Handeln. Bitte registrieren Sie sich über den externen Zoom-Link:
Mi. 29.10.2025, 19.00 – 20.30 Uhr | Referent/in Dr. Marina Sassenberg
24.06.2025 um 19 Uhr | Online via Zoom
Leonard Cohens Stimme
Der Vortrag wird den vielfältigen jüdischen Bezügen im Werk des Autors, Singer, Songwriters und Superstars Leonard Cohen nachgehen.
Von den ersten Songs bis zum Alterswerk war das Judentum für Cohen zentral, sei es biografisch und historisch oder als Texttradition. Bibel, Kommentarliteratur und Liturgie waren Cohen gut vertraut und er nutzte diese
Texte als poetischen Referenzrahmen. Mit einem Blick auf Cohens Selbst-Inszenierungen als Prophet und Priester des Pop wird auch der Funktion von Cohens spezifischer Stimme analysiert und danach
gefragt, was etwa der Einsatz des Synagogenchors auf dem letzten Album »You want it darker« zu bedeuten hat.
Dr. Caspar Battegay, Basel
Die Anmeldung erfogt über den QR-Code in der Ausschreibung oder über info@bildungswerk-bonn.de und 0228 42979-0.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Offizieller Flyer – TOLDOT & TARBUT_Sommersemester 2025
22.05.2025 um 19 Uhr | Online via Zoom
Richard Lichtheim (1885 – 1963) – Zwischen deutscher zionistischer Bewegung und internationaler Diplomatie
Der Berliner jüdische Diplomat Richard Lichtheim vertrat im Laufe seiner politischen Karriere mehrfach die Interessen der zionistischen Bewegung: im Ersten Weltkrieg in Konstantinopel, im Zweiten Weltkrieg in Genf. Dort verstand er als einer der ersten zeitgenössischen Beobachter, dass es sich bei den nationalsozialistischen Massenmorden an den europäischen Judenheiten um ein Verbrechen ungekannten Ausmaßes handelte: um ihre systematische und totale Vernichtung. Die sich wandelnden politischen Realitäten in Europa und Palästina ließen ihn auch seine Vorstellungen eines zukünftigen jüdischen Gemeinwesens mehrfach überdenken. Andrea Kirchner beleuchtet anhand seiner Biografie verschiedene politischen Strömungen innerhalb der zionistischen Bewegung sowie die Herausforderungen jüdischer Diplomatie in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts.
Dr. Andrea Kirchner, Frankfurt/M.
Die Anmeldung erfogt über den QR-Code in der Ausschreibung oder über info@bildungswerk-bonn.de und 0228 42979-0.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Offizieller Flyer – TOLDOT & TARBUT_Sommersemester 2025
29.04.2025 um 19 Uhr | Online via Zoom
Tradition und Synthese – Der Aufbau als Auftrag
1934 von deutsch-jüdischen Nazi-Flüchtlingen in New York gegründet, trug der »Aufbau« als Wochenzeitung mit wachsender Verbreitung wesentlich zu der Entwicklung einer gemeinsamen Identität der Leserschaft bei.
Dazu gehörten die jüdische Tradition, die Erfahrung der Verfolgung, aber auch eine »liberale und demokratische Haltung« im amerikanischen Sinne – so ein Grundsatz-Manifest der Zeitung aus der Kriegszeit. Aus Flüchtlingen wurden so rasch selbstbewusste Amerikaner. Dieses komplexe Fundament spornt die kleine Redaktion seit der Übernahme durch die JM Jüdische Medien AG in Zürich 2004 zu einem weltoffenen und unternehmungslustigen Journalismus im Sinne der Gründer an.
Andreas Mink, Connecticut
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Offizieller Flyer – TOLDOT & TARBUT_Sommersemester 2025
10.04.2025 um 19 Uhr | Online via Zoom
»Hofjude« par excellence? Der kaiserliche Hoffaktor und Rabbiner Samson Wertheimer (1658 – 1724) und seine Familie
Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts waren die Wertheimers eine der großen europäischen jüdischen Familien. Ihre Geschichte geht zurück auf Samson Wertheimer (1658-1724) aus Worms, der zusammen mit seinem Onkel Samuel Oppenheimer (1630–1703) als Geschäftsmann nach Wien kam und schließlich drei Kaisern als „Hoffaktor“ diente. In der jüdischen Gemeinschaft war Wertheimer als ungarischer Landesrabbiner, Rabbiner verschiedener namhafter Gemeinden im Heiligen Römischen Reich und als Rabbiner der Habsburger Erblande bekannt, weswegen er auch „Judenkaiser“ genannt wurde. Dies war nicht zuletzt so, weil Wertheimer seine Position am Wiener Hof und bei anderen europäischen Fürsten dafür nutzte, sich für die Juden des Heiligen Römischen Reiches einzusetzen und sie in Notlagen tatkräftig zu unterstützen. – Der Vortrag beleuchtet das Leben Samson Wertheimers und dessen Aufstieg zum kaiserlichen Hoffaktor mit weitreichenden Handelsnetzen und ausgedehnten Familien- und religiösen Netzwerken.
Dr. Mirjam Thulin, New York
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